Fusskorps1

Fußkorps

Fußkorpsführer Marcel Kappestein
Fußkorpsführer Marcel Kappestein

Wo auch immer die Prinzen-Garde Köln zu sehen ist, das Fußkorps ist dabei. Mit den blinkenden Goldhelmen sind die staatsen Gardisten ein Blickfang auf jeder Bühne. Betrachtet man die Anfänge der Prinzen-Garde vor mehr als 100 Jahren, so wird damit gemeinhin auch die Gründung des Fußkorps verbunden. Die Prinzen-Garde bestand in den ersten Jahren ihres Bestehens ausschließlich aus Fuß- und Reiterkorps! Inaktive Korpsteile gab es seinerzeit nicht.

Am 16. Dezember 1905 trugen sich auf einer ersten offiziellen Zusammenkunft im „gelben Sälchen“ der Bürgergesellschaft 24 Herren in die ausgelegte Liste für das aktive Korps der neu zu gründenden Gesellschaft Prinzen-Garde Köln ein. Dies war die Geburtsstunde der Prinzen-Garde und des Fußkorps zugleich.

Wie war es zu jenem denkwürdigen 16. Dezember im Jahre 1905 gekommen? Ins-besondere die Herren Jean Jörrissen, Präsident der „Großen von 1823“ und Carl Bormkessel, Mitglied des Festkomitees, hatten die Idee, ein funkenähnliches Korps aufzustellen. Dieses Korps sollte nicht nur gemeinsam mit den anderen Gesellschaften die Lasten des Karnevals tragen, sondern sollte in erster Linie eine ständige Eskorte für den Prinzen Karneval stellen. Bis dahin hatte es keine einheitliche Führung für den närrischen Regenten gegeben.

Jean Jörrissen starb unerwartet. Aus diesem Grund hat sich die Gründung der Prinzen-Garde verzögert. Einzig Carl Bormkessel ist es zu verdanken, dass diese Idee dennoch in die Tat umgesetzt wurde. Ihm war es gelungen, maßgebliche Herren aus dem Kölner Karnevalsleben für diese Idee zu begeistern und mit ihnen die Unterlagen für das neue Korps auszuarbeiten. Wie man heute noch deutlich sehen kann, haben diese Herren vor 100 Jahren alles richtig gemacht!

Die herrlichen weiß-roten Fußkorps-Uniformen, die überwiegend preußisch und teils österreichischen Muster entnommen wurden, mit den Grenadiermützen des Alexander-Garde-Regiments sind heute aus dem Kölner Karneval nicht mehr wegzudenken. In den Augen der meisten Kölner ist der Begriff „Prinzen-Garde“ mit dem Fußkorps und seinen spitzen Helmen verbunden. Das Fußkorps bildet den größten Anteil im aktiven Korps, dessen Aufgabe es ist den „Kampf gegen Griesgram und Muckertum“ zu bestreiten.

Das Fußkorps im Rosenmontagszug
Das Fußkorps im Rosenmontagszug

Fusskorps-2Bis Ende der 50er Jahre war die Prinzen-Garde in Kameradschaften, ähnlich der Funken-Knubbel organisiert. Einzelne Gruppierungen setzten sich zum regelmäßigem Gedanken- und Ideenaustausch, zumeist in Kölner Gasthäusern, zusammen. Lediglich das Reiterkorps traf sich abseits des Geschehens zu gemeinsamen Ausritten im Stall. Doch die Prinzen-Garde wuchs und damit auch der Wunsch einer etwas anderen Vereinsstruktur. So wurde im Jahr 1962 mit Rudolf Peter Frohne ein erster Fußkorpsführer gewählt. Seitdem versteht sich das institutionalisierte Fußkorps als integrativer Teil der Prinzen-Garde. Später dann folgten das Corps a la suite und das Reservekorps.

Das Fußkorps hat seit seinem Bestehen viele Höhen aber leider auch Tiefen erlebt. An Tiefen sind vor allem die beiden Weltkriege zu nennen, welche die Reihen des Korps stark lichteten. Im 2. Weltkrieg gingen leider auch alle materiellen Werte und Unterlagen verloren. Ebenso der Brand des gerade neu erworbenen Prinzen-Garde-Turmes am Sachsenring 1980 zerstörte zahlreiche historische Dokumente.

Weihnachtsfeier des Fußkorps 2011
Weihnachtsfeier des Fußkorps 2011

An Höhen hat das Fußkorps weitaus mehr in den Jahren seines Bestehens erlebt. Zu nennen sind u.a. die großen Jubiläen der Prinzen-Garde (1931, 1956 und 1981), die durch das Fußkorps entscheidend mitgeprägt wurden.

Fußkorpstour 2010 nach Marbella
Fußkorpstour 2010 nach Marbella

Als einziges Korpsteil der Prinzen-Garde vergibt das Fußkorps einen Verdienstorden. 1976 hatten die Mitglieder Helmut Letzel und Ulrich Schulmeyer die Idee zu einer solchen Auszeichnung. Es sollten Männer ausgezeichnet werden, die zum Wohl des Fußkorps und der ganzen Prinzen-Garde beigetragen haben. Das Motiv dieser Auszeichnung ist speziell aus dem Fußkorps gewählt: der Goldhelm. Bisher erhielten 34 Herren diese besondere undseltene Auszeichnung.

Besonders stolz ist das Fußkorps, Heimat für das einzige weibliche Mitglied der Prinzen-Garde sein zu dürfen. Die Regimentstochter ist Mitglied des Vereins, solange sie für die Prinzen-Garde tanzt. Derzeit weiß Tina Brahm zusammen mit ihrem Tanzoffizier Alexander Ritter, die Säle zu begeistern.

Fußkorpstour 2009 zum Oktoberfest in München
Fußkorpstour 2009 zum Oktoberfest in München

Als Herzstück oder Keimzelle der Prinzen-Garde wird das Fußkorps immer wieder gerne bezeichnet. In den über 100 Jahren seines Bestehens hat es viele Änderungen, Neuerungen und auch wechselnde Mitgliederstrukturen gegeben. Das Fußkorps hat diesen Herausforderungen immer offen gegenüber gestanden. Damals wie auch heute ist das Fußkorps traditionsbewusst und erfüllt seine drei großen Aufgaben: das Tanzen bei den Korpsaufzügen, die Begleitung des Kölner Dreigestirns sowie die Teilnahme am Kölner Rosenmontagszug.

Um auf den Bühnen Kölns und denen des Umlandes bestehen zu können, ist intensives Training selbstverständlich. Ab Anfang September eines jeden Jahres treffen sich die Mannschaftsdienstgrade, um Neues einzustudieren, zu verbessern oder alte Tänze wieder aufzufrischen. Verpflichtet ist jedes aktive Mitglied bis zum Dienstrang eines Offiziers an den Auftritten als Tänzer teilzunehmen. Danach treten die verdien-ten Herren zurück in die zweite Reihe – gelegentlich als „Schunkeloffiziere“ belächelt – und machen Platz für jüngere Kameraden.

Die Auftritte konzentrieren sich auf die Sessionsmonate Januar und Februar, sowie gelegentlich auch Anfang März. Wenn immer der Spielmannszug den „Lockmarsch“, gefolgt von „Larida“, anklingen lässt, strömen die Gardisten an die Saaltüren, denn die nächsten zwanzig Minuten gehören ihnen.

Daneben wird dem Dreigestirn jeden Tag eine Abordnung von etwa 15 Mann an die Seite gestellt, allerdings aus allen Korpsteilen der Prinzen-Garde, sonst wäre diese Aufgabe nicht zu stemmen. Denn die täglich bis zu zwanzig Auftritte müssen neben dem eigenen Beruf oder sonstigen Verpflichtungen absolviert werden.

Dass die Teilnahme am Rosenmontagszug verpflichtend ist, braucht man einem Fußkorpsmitglied nicht zu sagen. Schließlich gibt es kaum etwas Schöneres, als durch die Menschenmassen zu marschieren und die wunderschön kostümierten Menschen links und rechts des Wegesrandes feiern zu sehen.

Doch auch nach der Karnevalszeit liegt der Verein – damals wie heute – nicht brach. Man trifft sich einmal monatlich zum Fußkorpsabend, unternimmt darüber hinaus gemeinsam Reisen und Wanderungen: Anlässe sich zu treffen, gibt es genug! Denn gemeinschaftliches Erleben wird besonders groß geschrieben im Fußkorps – heute wie damals.

Aber spätestens ab Dezember kehrt die innere Unruhe zurück: Ist die Uniform seit der letzten Session „eingelaufen“, fehlt etwas oder muss noch ausgebessert werden? Sind Stiefel geputzt und Knöpfe poliert? Denn auch das gehört zum Alltag eines Fußkorpsmitgliedes dazu.

Ävver: Em Fußkorps sinn mer met Hätz dobei – und dat zick üvver 100 Johr!

Die Fußkorpsführer der Prinzen-Garde

1962 – 1965 Rudolf Peter Frohne
1966 – 1970 Werner Klein
1970 – 1971 Hans Hachenberg
1972 – 1973 Rudolf Peter Frohne
1974 – 1978 Willi Frank
1979 – 1989 Dieter Klein
1990 – 1991 Edgar Patzer
1992 – 1994 Heinz Migge
1994 – 1998 Helmut Keller
1998 – 2008 Matthias Schenke
2008 – 2015 Frank Niederländer
seit 2015 Marcel Kappestein